DANKE, YANN – ABER JETZT IST DIE ZEIT FüR GREGOR KOBEL GEKOMMEN

Seit zehn Jahren ist Yann Sommer in der Schweizer Nati gesetzt. Dies rechtfertigte er über die Jahre mit brillanten Leistungen. Doch nach dem Turnier in Deutschland ist die Zeit für einen Wechsel reif. Ein Kommentar.

Nah dran, aber eben nicht ganz. Am Ende steht der Flug von Goalie Yann Sommer beim vierten Penalty der Engländer symbolisch für ein ganzes Turnier. Sommer ahnt die Ecke, streckt sich – und trotzdem reicht es nicht. Etwas fehlt. Wie beim Weg der Nati zum grossen EM-Traum. Und wie auch bei Sommers gesamtem Turnier.

Seit zehn Jahren steht Sommer bei der Nati zwischen den Pfosten. Nach der WM 2014 in Brasilien übernahm Sommer den Platz von Diego Benaglio. Und füllte die grosse Lücke, die dadurch entstanden war, auf überzeugendste Art und Weise. Patzer leistete sich Sommer in grossen Spielen praktisch keine.

Stattdessen sorgte er für denkwürdige Momente. Natürlich ist da vor allem die Parade im Penaltyschiessen gegen Kylian Mbappé, mit welcher Sommer die Schweiz 2021 in den EM-Viertelfinal hexte, oder der Save gegen Jorginho im entscheidenden Spiel für die WM-Quali 2022.

Aber da sind auch Grosstaten in Spielen, an welche sich nur noch die eingefleischtesten aller Nati-Fans erinnern können. Etwa diejenige an der EM 2016 gegen Skelzen Gashi, mit welcher er den Sieg gegen Albanien rettete. Oder diejenige bei der WM 2018, mit welcher er mirakulös einen Rückstand gegen Costa Rica verhinderte.

Bei der EM 2024 hatte Sommer diese Momente nicht mehr. Wie bei Toneys Elfmeter fehlte etwas. Im Spiel gegen Deutschland hatte er Glück, dass das Tor von Robert Andrich aberkannt wurde – denn dieses hätte Sommer auf seine Kappe nehmen müssen. Bei den Toren von Niclas Füllkrug und Bukayo Saka blieb Sommer wie angewurzelt stehen. Es sind keine Fehler. Aber eben auch nicht mehr die Glanztaten, die wir von Sommer kennen.

Als Diego Benaglio 2014 seinen Nati-Rücktritt damit begründete, dass er «nicht mehr der Jüngste» sei, war er 30 Jahre alt. Sommer ist mit seinen 35 Jahren schon deutlich älter. Und wie Benaglio damals hat Sommer einen Kontrahenten im Rücken, der bereit ist, den Platz zu übernehmen: Gregor Kobel. 26-jährig, im besten Fussball-Alter. Champions-League-Finalist mit Dortmund. Bester Goalie der vergangenen Bundesliga-Saison. Auch der Moment macht Sinn: Mit der Nations League beginnt im Herbst ein neuer Zyklus im Hinblick auf die WM 2026.

Gut möglich, dass sich Yann Sommer diese Gedanken in diesem Moment auch macht. «Was nachher ist, werden wir sehen», sagte der Goalie vor dem Turnier in Deutschland. Und nach der Niederlage gegen England blieb es still um ihn. Während Sommer normalerweise auch nach den bittersten Niederlagen zum Interview antrabte, liess er diesmal anderen den Vortritt.

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