«ICH WAR NICHT GUT» – MBAPPé SELBSTKRITISCH, YAMAL MIT SEITENHIEB AN KRITIKER

Kylian Mbappé gibt sich nach der Niederlage gegen Spanien selbstkritisch, Didier Deschamps und Antoine Griezmann wollen keine Ausreden suchen. Der spanische Torschütze Lamine Yamal ist derweil im siebten Himmel.

Im Duell zwischen defensiver Stabilität und offensiver Spielfreude hat zweitere gewonnen. Spanien steht nach dem Sieg gegen Frankreich im EM-Final und darf vom ersten EM-Titel seit zwölf Jahren träumen. Während der junge Lamine Yamal kurz vor seinem 17. Geburtstag seine starke Performance an diesem Turnier mit seinem ersten EM-Tor krönte, blieb Kylian Mbappé auf der anderen Seite blass.

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Mbappé selbstkritisch

Mbappé, der sich an der WM in Katar mit acht Toren noch zum Torschützenkönig gemacht hatte, wollte am Turnier in Deutschland wenig gelingen. In der Partie gegen Spanien fiel er weniger durch seine Genialität auf dem Platz als durch die Tatsache auf, dass er zum ersten Mal nach seinem Nasenbeinbruch ohne Maske spielte.

Für Fragezeichen in den Köpfen der Zuschauenden sorgte auch eine Aktion nach dem Halbzeitpfiff. Kylian Mbappé hatte offensichtlich das Shirt mit einem spanischen Spieler getauscht und begab sich mit nacktem Oberkörper in Richtung Kabine. Ein T-Shirt-Tausch zur Pause, während das eigene Team im Rückstand liegt: eher ungewöhnlich. Die negativen Reaktionen auf den sozialen Medien folgten prompt, Mbappé selbst hat sich bis heute noch nicht dazu geäussert.

«Ich war nicht gut und jetzt gehen wir nach Hause, es ist simpel.»

Was seine eigene Leistung betrifft, die im Turnierverlauf bereits kritisiert wurde, gab sich der Captain selbstkritisch: «Man muss den Fussball nicht verkomplizieren. Manchmal ist man gut, manchmal nicht. Ich war nicht gut und jetzt gehen wir nach Hause, es ist simpel.»

Mbappé, der im Viertelfinal gegen Portugal aufgrund von Müdigkeit in der 106. Minute um eine Auswechslung gebeten hatte, betont, dass er eine lange Saison hinter sich habe und er nun Zeit brauche, um sich auszuruhen, auch im Hinblick auf sein neues Abenteuer – Mbappé wird ab kommender Saison für Real Madrid auflaufen. Schon vor dem Spiel war sein Fitness-Zustand zum Thema gemacht worden. Sein Gegenspieler Rodri wollte dem aber nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken: «Ich glaube nicht alles, was gesagt wird. Er hat die Fähigkeit, den Unterschied zu machen, egal wie es ihm geht.»

«Es gibt keine Ausreden. Sie waren in allem besser. Vielleicht haben wir zu einfach gespielt»

- Antoine Griezmann -

Frankreichs Trainer Didier Deschamps zollte dem Gegner Respekt: «Spanien ist eine sehr gute Mannschaft. Das haben sie bewiesen. Sie waren spielerisch besser.» Das Zünglein an der Waage sei wohl auch gewesen, so der Weltmeister von 1998, dass die Spanier frischer gewesen seien.

An Spritzigkeit fehlte es auch Antoine Griezmann, der nach der Niederlage meinte: «Was uns gefehlt hat? Defensive Stabilität, Laufbereitschaft. Spanien war besser als wir, abgesehen von den ersten 20 Minuten.» Die Müdigkeit will Griezmann aber nicht als Ausrede gelten lassen: «Es gibt keine Ausreden. Sie waren in allem besser. Vielleicht haben wir zu einfach gespielt».

Die Spieler können nicht mehr

Ein Geniestreich und ein Seitenhieb an Rabiot

Auf der anderen Seite der Gefühlsskala steht Lamine Yamal, der mit seinem Treffer den Schweizer Johann Vonlanthen als jüngster EM-Torschütze abgelöst hat. «Ich weiss nicht, ob es das beste Tor des Turniers war», sagte Yamal über seinen Prachttreffer, «aber für mich ist es natürlich das speziellste, weil es mein erstes für das spanische Team an einer EM ist».

«Ich würde mir wünschen, dass er mit der gleichen Bescheidenheit weiterarbeitet, mit den Füssen auf dem Boden bleibt und die Reife beibehält, die er auf dem Spielfeld zeigt.»

- Luis de la Fuente -

Dass bei Spanien junge Spieler wie Lamine Yamal und Nico Williams für so viel Aufsehen sorgen würden, sei keine Überraschung gewesen, meinte Trainer Louis de la Fuente nach dem Spiel gegenüber den Journalisten: «Das mag euch mehr erstaunen als uns. Wir wussten, was für Rohdiamanten wir im Team haben»

Über den Torschützen Yamal sagte de la Fuente: «Wir haben einen Geniestreich eines Fussballers gesehen, auf den wir alle aufpassen müssen. Ich würde mir wünschen, dass er mit der gleichen Bescheidenheit weiterarbeitet, mit den Füssen auf dem Boden bleibt und die Reife beibehält, die er auf dem Spielfeld zeigt. Ich bin froh, dass er in unserem Team ist, und wir hoffen, dass wir noch viele Jahre Freude an ihm haben werden.»

Lamine Yamal selbst blieb wortkarg, als er nach dem Spiel gefragt wurde, an wen er die sinngemässen Worte «Was sagst du jetzt» gerichtet waren, die er nach dem Spiel in die Kamera rief. Es wird vermutet, dass es sich dabei um einen Seitenhieb an Frankreichs Adrien Rabiot handelte, der vor dem Spiel noch gesagt hatte, dass Yamal «mehr zeigen muss, als bisher».

Yamal, so erzählte er nach dem Spiel einem spanischen Journalisten, denke nicht zu sehr darüber nach, was ihm gerade passiert: «Ich versuche, es einfach mit dem Team zu geniessen. Und wenn es so rauskommt wie heute, sind wir einfach glücklich.»

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