IN TALK MIT EX-NATIONALSPIELER - TüRKEI-STAR SPRICHT NACH EM-AUS OFFEN üBER SOLDATEN VOR HOTEL UND WOLFSGRUß-EKLAT

Die Fans der türkischen Nationalmannschaft sind vor allem für ihren Enthusiasmus bekannt. Auch Nationalspieler Salih Özcan findet sie „irre, aber geil“. Im Podcast von Jonas Hector sprach der türkische Mittelfeldstar über die Unterstützung, das nicht gegebene Handspiel beim DFB-Aus – aber auch über Politik im Fußball.

Kaum eine Mannschaft wurde bei der EM in Deutschland so frenetisch gefeiert wie die der Türkei. „So etwas habe ich noch nie in meinem Leben gesehen“, schwärmte Mittelfeldmann Salih Özcan nach dem Viertelfinal-Aus gegen die Niederlande im Podcast „Schlag & Fertig“ von Ex-Köln-Profi Jonas Hector und Satiriker Fabian Köster.  

„Das hat uns getragen durch das Turnier. Vor dem Hotel war das extrem, da waren Tausende Leute.“ Auch Gastgeber Hector, 43-facher deutscher Nationalspieler, hatte sich von der unbändigen Unterstützung anstecken lassen und zollte Özcans Team Respekt: „Ihr zerreißt euch, da fliegt jeder rein in die Zweikämpfe.“

Özcan: „Wir hatten von der Türkei aus 35 Soldaten, die am Hotel stationiert waren“

Doch nicht nur im Stadion gaben die türkischen Fans alles, wie Özcan verriet. Die Mannschaft sei während des Turniers in einem „Hotel irgendwo im Nirgendwo“ untergebracht gewesen: „Dahinter war nur noch Wald und Gestrüpp.“ 

Dennoch hätten Fans ("Die türkischen Fans sind halt irre, aber geil") versucht, ins Hotel zu gelangen. Deshalb sei das Areal der Nationalmannschaft „extrem überwacht“ worden, beschrieb der Mittelfeldspieler von Borussia Dortmund: „Wir hatten von der Türkei aus 35 Soldaten, die dort stationiert waren.“ 

Dazu seien Blockaden rund um das Hotel errichtet worden. Sogar Özcan selbst sei einmal von den rigiden Kontrollen betroffen gewesen: „Da hat die Polizei auf die Bestätigung gewartet, dass ich als Spieler rein darf.“

BVB-Star über Politik im Fußball: „Ich bin Fan davon, Fußball Fußball sein zu lassen“

Innerhalb des Camps sei trotz des drohenden Lagerkollers die Stimmung aber stets gut gewesen, versicherte Salih Özcan. „Wir haben immer wieder die Spiele geguckt, hatten Karaoketag“, gab er Einblicke in das Innenleben der türkischen Nationalelf. Außerdem habe der 26-Jährige seinen Laptop dabei gehabt und „bisschen gezockt“.

Harmonie sei in der Mannschaft auch dann da gewesen, als Abwehrmann Merih Demiral nach dem Zeigen des Wolfsgrußes im Achtelfinale gegen Österreich gesperrt worden war. Zwar ist die Geste in Deutschland nicht verboten, gilt aber als Erkennungszeichen innerhalb rechtsnationaler Kreise. 

Wolfsgruß-Ärger? „Wir wussten, dass uns das runterziehen würde“

„Wir wussten, dass uns das runterziehen würde“, erklärte Özcan, warum in der Mannschaft kaum darüber geredet wurde. Zu einem Urteil über Teamkollege Demiral ließ sich der Fußballer nicht hinreißen: „Das sind die Emotionen. Ich kenne seinen Standpunkt nicht.“

Deutlicher wurde Özcan dagegen in Bezug auf politische Statements von Fußballern im Allgemeinen. „Ich bin nicht der Fan davon, politische Themen in den Fußball mitzunehmen“, argumentierte er. Der Appell des gebürtigen Kölners: „Mach deine Arbeit. Du kannst dich ja privat um politische Themen kümmern, aber lass das privat sein und bleib bei deinem Fußball!“

Fabian Köster nutze daraufhin die Gelegenheit, in Hinblick auf Kylian Mbappé - der Franzose hatte eine Pressekonferenz dafür genutzt, vor der Parlamentswahl in Frankreich für Vielfalt zu werben - zu intervenieren: „Für Vielfalt, Liebe und Freiheit einzustehen, ist für mich nicht politisch.“ Doch Özcan blieb bei seiner Devise: „Ich bin Fan davon, Fußball Fußball sein zu lassen.“

Salih Özcan urteilt nach Deutschland-Aus: „100 Prozent Elfmeter“

Einig war sich die Gesprächsrunde hingegen, was das bittere Aus der deutschen Nationalmannschaft gegen Spanien anging. „War ein Krimi, ne?“, leitete Özcan ein und schob nach: „Bitter, wirklich bitter.“ Damit meinte er nicht nur das Ausscheiden des Gastgebers im Viertelfinale selbst, sondern insbesondere den nicht gegebenen Elfmeter in der Verlängerung. In Minute 106 schoss Jamal Musiala dem spanischen Verteidiger Marc Cucurella den Ball im Strafraum an die Hand. Auf Strafstoß entschied Schiedsrichter Anthony Taylor allerdings nicht.

„Keine Ahnung, warum sich der das nicht angeguckt hat. Dann kannst du immer noch selbst entscheiden“, wunderte sich Salih Özcan, der ein klares Urteil fällte: „100 Prozent Elfmeter.“ Fabian Köster, der das Spiel live im Stadion verfolgt hatte, kam zum selben Schluss: „Wir haben uns schon alle abgeklatscht.“ 

Doch es kam bekanntlich anders, was Jonas Hector noch Tage nach dem Spiel wütend machte: „Das wird einfach so abgewiegelt, als wenn es ein Foul im Mittelfeld gewesen wäre.“ Er habe „seit Langem nicht mehr so eine Enttäuschung in mir“ gehabt in Bezug auf Fußball.

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