«SIE WURDEN VON DEN SCHWEIZERN AN DEN RAND DES ABGRUNDS GEDRäNGT»

In England wundern sich die Medien über einen weiteren Entfesselungsakt ihres Teams. Für die Schweiz gibt es Lob.

England

«BBC»: England hat sich fast unbemerkt in den Halbfinal der Europameisterschaft 2024 gespielt. Die Engländer zeigten abermals über weite Strecken eine stumpfe Leistung, gerieten dann erneut in Rückstand, bevor sie sich aus einem Loch befreien und gewinnen konnten. Southgate konnte in seinem 100. Spiel als Trainer endlich einen Sieg feiern, aber erst nach weiteren quälenden 120 Minuten und einer bangen Phase, in der es so aussah, als würde England ausscheiden.

«Daily Mail»: «Jordan Pickford war der Held, als England Elfmeter brauchte, um die Schweiz zu überwinden und den EM-Halbfinal zu erreichen. Sie machen es selten auf dem einfachen Weg, und es brauchte wieder eine späte Show, als sie es in den zweiten EM-Halbfinal nacheinander schafften.»

«Daily Mirror»: «Elfmeter-Superhelden. England erreicht den EM-Halbfinal mit einem Erfolg im Elfmeterschiessen gegen die Schweiz, bei dem die eiskalten Stars liefern und sich einen Platz unter den besten vier sichern.»

«The Guardian»: «Die vielen Stunden, die sie sich dem Studium der Psychologie von Elfmeterschiessen gewidmet haben, um herauszufinden, wie man die Dämonen verbannt und den Zufall ausmerzt – alles kam zusammen und machte den Unterschied aus für Gareth Southgate, der einen weiteren Tag überlebt hat nach einem weiteren Entfesselungsakt Englands.»

Und: «Du kannst Pläne und Programme erstellen, nicht verhandelbare Auswahlprinzipien entwickeln, Daten, Videos studieren, jahrelang Spieler beobachten, die es eh nie schaffen. Vielleicht war am Ende alles umsonst. Weil England im Halbfinal der Euro 2024 steht und nichts davon den geringsten Sinn ergibt.»

«The Sun»: «Könige vom Punkt. Jordan Pickford war Englands Elfmeter-Held.»

Schweiz

«24heures»: Mit den Tagen und Wochen wird der Schmerz nachlassen und es werden die schrecklichen Narben eines Wunders bleiben, das es nicht gab, das in den Vororten von Düsseldorf verschwand. Das Tor zum Glück schloss sich für die Schweiz, die es geöffnet hatte, die führte, die fünf Minuten lang im EM-Halbfinalist stand, bevor die Welt plötzlich zusammenbrach. Ein englischer Ausgleich und ein verpasstes Elfmeterschiessen: Die Schweiz, die im Vorzimmer zum Exploit wie 2021 gegen Spanien feststeckte, scheiterte im Viertelfinale an der grausamsten Übung.

«Blick»: «Vielleicht wird diese Chance nie mehr kommen. Denn für einige wird Deutschland womöglich das letzte grosse Turnier gewesen sein. Aber wir haben auch Hoffnung, dass diese EM erst der Anfang gewesen ist; dank Spielern wie Rieder, Vargas und Ndoye. Die nächste Chance bietet sich hoffentlich in zwei Jahren an der WM in den USA, Kanada und Mexiko.»

«CH Media»: «Wir haben nie eine bessere Schweizer Nati gesehen als an diesem Turnier. Spielerisch nicht. Und taktisch sowieso nicht. Aber was uns mindestens ebenso berauscht hat wie ihr Spiel, war ihre solidarische Attitüde, ihr reifes Verhalten. Ach Fussball, du elendes Miststück. Es ist ja nicht so, dass die Engländer diesen Sieg wie ein schäbiger Dieb geklaut haben. Es war ein Spiel auf Augenhöhe. Gegen Ende der Verlängerung sogar mit den besseren Chancen für die Schweiz.«

«NZZ»: «Der Vergleich zwischen der Schweiz und England war gewiss kein Spiel, mit dem sich Fussball- und Sportskeptiker bekehren lassen … Es ist ein bitteres Aus und ein schlechter Lohn für einen tapferen Auftritt.»

Deutschland

Frankfurter Allgemeine Zeitung: «Mühsam wie ein rostiges, aber auf seltsame Art doch irgendwie hochseetüchtiges, Frachtschiff haben sich die Engländer tatsächlich ins Halbfinale dieser Europameisterschaft geschleppt. (…) In der Schweiz war viel von einem historischen Moment gesprochen worden, weil diese kleine Fussballnation noch nie im Halbfinale eines grossen Turniers stand. (…) Aber sie hatten nicht ihren besten Tag und so war der Unterhaltungswert dieses Spiels insgesamt ziemlich bescheiden.»

«Süddeutsche Zeitung»: «Während die Engländer ihren Einzug ins Halbfinale überschwänglich feierten, waren die Schweizer verständlicherweise deprimiert. Als die Schweiz im Fussball letztmals gegen England gewonnen hat, hiess der englische Mittelstürmer noch Kevin Keegan. Nicht nur britische Fussballhistoriker und ältere Fans des Hamburger SV wissen: Das ist ewig her! Am 30. Mai 1981 haben die Schweizer in Basel ein WM-Qualifikationsspiel gegen England 2:1 gewonnen – und danach in 13 Versuchen binnen 43 Jahren keines mehr.»

«Spiegel»: Die Schweizer verpassten den ersten Einzug in die Runde der letzten vier Teams bei einer EM, zeigten aber in der Gruppenphase und beim Achtelfinal-Erfolg über Italien überzeugende Leistungen. (… ) Spielerisch enttäuschten die Engländer im 100. Spiel unter Southgate, aber seit 2018 stand nur ein Team bei Europa- und Weltmeisterschaften immer mindestens im Viertelfinale: England.

Frankreich

«L’Equipe:» «Am Ende wurden die Engländer von den Schweizern überrascht, die immer noch intensiv und generös im Gegenpressing waren. Die Schweizer wurden im Laufe der Minuten sogar immer selbstbewusster und belagerten das englischen Lager teilweise. (…) Xherdan Shaqiri glaubte, das unvermeidliche Elfmeterschiessen vermeiden zu können, doch das Lattenkreuz wehrte seine direkte Ecke ab (117.). Und verurteilte die Schweiz zu einem Elfmeterschiessen, in dem sie nur die Zuverlässigkeit der englischen Schützen feststellen konnte.»

Italien

«Gazzetta dello Sport»: «Für das schöne Spiel, bitte noch einmal vorbeikommen. Doch in der Zwischenzeit überwand England einen weiteren wichtigen Gipfel und zog in den Halbfinal ein. Dazu mussten die Engländer allerdings ins Elfmeterschiessen, denn während der gesamten 120 Spielminuten waren sie nicht in der Lage, eine Schweiz zu bezwingen, die sich als sehr gut organisiert erwies.»

Spanien

«El Pais»: «Da in England bei diesem Turnier alles unerklärlich war, könnte man vielleicht die absurde Vermutung wagen, dass Gareth Southgate im Labor des Elfmeterschiessens, wo er den Final der letzten Europameisterschaft gegen Italien im heimischen Wembley verlor, nach einer Wiedergutmachung gesucht hätte. So erreichten die Engländer den Halbfinal, in dem die Niederlande auf sie warten, ohne spielerisch weiterzukommen. Sie wurden von einer Schweizer Mannschaft an den Rand des Abgrunds gedrängt, die bis zum Ende der Verlängerung die klareren Ideen und Argumente hatte.»

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